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Dynamik im Investment Banking

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von Thomas Trunk

Investment Banking boomt. Auch wenn im Vergleich zu den USA das Gesamtvolumen der Transaktionen im deutschsprachigen Raum den alten Rekordjahrgängen noch hinterherhängt, ist auch hierzulande starke Aktivität zu verzeichnen, insbesondere mit Milliardentransaktionen im Real Estate-Sektor, aber auch in den klassischen „Deutschen Sektoren“ wie Automotive, Industrials und Chemie.

Neben starkem Deal Flow mit einigen „Landmark Deals“ im M&A hat sich auch der Kapitalmarkt weiter gut erholt. So schraubte sich der Dax in genau sechs Jahren vom Nachkrisentief im März 2009 (3.666) auf über 12.000 Punkte im März 2015. Beim M-Dax ist der Anstieg relativ betrachtet sogar noch stärker und die anschließende Korrektur weniger stark ausgefallen. Diese Euphorie an Märkten, bei denen eine Liquiditätsschwemme Rendite sucht und in Ermangelung attraktiver Anlagealternativen Preise solider Assets, wie Immobilien oder Unternehmen, in die Höhe treibt, war jedoch stets begleitet von Ängsten über ein Ende dieses Rausches. Ein Einbrechen der Wirtschaft in Schwellenländern, das Ende des sagenhaften Wachstums in China, das Ende der Niedrigzinspolitik in den USA und viele andere Quellen der Unsicherheit sind ausgemacht.

In den Banken ist man jedoch weiter optimistisch, dass der Boom noch weiter andauert. Bestes Anzeichen hierfür sind die Office-Eröffnungen einiger amerikanischer Häuser in jüngster Vergangenheit. Aber auch Unternehmen hatten in Zeiten der Unsicherheit Investitionen lange zurückgehalten und Cash gehortet, dass nun investiert wird, teilweise eben in anorganisches Wachstum, d.h. Akquisitionen von Unternehmen zur Verstärkung der Marktposition, für den Eintritt in neue Märkte, für den Erwerb neuer Technologien etc.

In diesem Deal Flow macht sich jedoch der akute Mangel an Professionals jener Jahrgänge, die in der zurückliegenden Krise nicht eingestellt wurden – dies sind vor allem die jetzigen Associates und Junior Vice Presidents (VPs) – stark bemerkbar.

Mehrere Wege sollen diesen Engpass beheben:

▪ Zum einen finden verstärkt Bemühungen statt, die dünnen Jahrgänge von Wettbewerbern abzuwerben. Vor dem Hintergrund parallel florierender „Outside Options“ im Corporate M&A, Corporate Development, Private Equity, Private Debt, Restrukturierungsberatungen, Hedgefonds, Start-Up Industrie, Venture Capital uvm. fällt dies selbst den stärksten Brands heute wesentlich schwerer als früher. Es ist ein Kampf daraus geworden, in dem vereinzelt wieder „Sign-On Boni“ wie zuletzt 2005 bis 2007 gezahlt werden. Der Mangel ermöglicht hier einigen Young Professionals den Wechsel von einer Boutique in eine bulge bracket Adresse. Gleichzeitig wird aber dennoch hart selektiert statt einfach nur Lücken zu füllen, denn man möchte teure „Mishires“ vermeiden.

▪ Zum anderen sind die Investmentbanken und M&A Boutiquen bestrebt, die Analysten früher in eine Associate-Rolle zu führen, d.h. früher mehr Eigenständigkeit und Verantwortung in der Kundeninteraktion und beim Treiben des Transaktionsprozesses zu übergeben. Hierfür ist es jedoch notwendig, den Analysten die entsprechende „Guidance“ zu geben und sie in den erweiterten Aufgabenbereich eng zu führen und zu coachen. Ohne eine umfassende Wissensweitergabe und entsprechende Interaktion sowie Feedbackschleifen führt der gestiegene Druck bei gestiegener Arbeitsbelastung schnell zu Frust und Abwanderung. Darauf reagieren erste Häuser mit dem Incentive einer verkürzten Analystenphase von drei auf zwei Jahre.

▪ Schließlich müssen Junior VPs häufig noch länger als früher originäre Associate-Aufgaben übernehmen, was sie mitunter in der eigenen Weiterentwicklung bremst. VPs müssen sich langsam spezialisieren, um eine Sektor-Expertise zu erwerben, die ihnen anschließend die Betreuung von Kunden auf höchster Ebene in einem anspruchsvollen Umfeld erlaubt. Spätestens ab Director Level (D) stehen der Aufbau und die Übernahme von Kundenbeziehungen an. Die jetzigen VPs haben in der Regel in der letzten Hochphase angefangen und noch in den Juniorjahren die Finanzkrise mitgemacht, was nicht wenige aus den Banken rausgetrieben hat. Somit sind die Jahrgänge nicht zu dicht gereiht und Banken müssen im Auge behalten, diesen Perspektiven aufzuzeigen.

Wieder einmal zeigt sich in einem zyklischen Geschäft, dass die „dünnen Jahrgänge“ schließlich die Seligen sind, da sie aktuell überall gesucht werden und schließlich aus einer Vielzahl von Angeboten wählen können. Aber das ist natürlich nur eine Seite der Medaille, da dünne Jahrgänge in Hochphasen besonders hohe Arbeitsbelastungen zu schultern haben.

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