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Brexit – Kommentar eines Headhunters

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von Marijana Miljkovic

Wie sieht das Bild aus, das sich knapp zwei Wochen nach dem Referendum zum EU-Ausstieg der Briten dem Headhunter stellt? Von anfänglicher Panik bis hin zu absoluter Gelassenheit ist im Markt alles zu spüren, und der Personalberater ist mittendrin.

Nachdem die Börse den Briten zunächst eine Talfahrt verpasste, hat sich die Panik schnell wieder neutralisiert. Die Verunsicherung bleibt, zumal auch heute noch nicht sicher ist, ob und wann der Volksentscheid tatsächlich umgesetzt wird. Indes wird fleißig darüber spekuliert, ob und wie viele Mitarbeiter der globalen Banken in die übrigen Finanzmetropolen Paris, Dublin und Frankfurt verlagert werden sollen, was ganz konkrete Auswirkungen auf den deutschen Personalmarkt hätte.

Auch so mancher heute in London ansässige Asset Manager spielt laut Fonds Professionell mit dem Gedanken, seine Einheit in andere Europäische Städte zu verlegen. In Deutschland reagiert man darauf gelassen, da der erhoffte Zuzug zu einer Stärkung und damit weiteren Professionalisierung des Marktes führen kann.

Im FinTech Bereich nehmen wir eine ähnlich positive Stimmung wahr. Als historisch wichtiger Standort für Start-Ups rekrutiert London Venture Capital- wie IT-Talente aus anderen EU-Staaten. Technologieaffine Unternehmen laufen nun Gefahr eines „Brain Drains“, weil die Spezialisten bei einem Wechsel nach UK mehr Hürden als Chancen gegenüberstehen und sich gegen den Schritt auf die Insel entscheiden könnten. Profitieren könnten davon insbesondere die Standorte Berlin und Frankfurt, aber auch Frankreich und sogar die USA werden an den Talenten der FinTechs, VCs und anderen Tech-Start-Ups verdienen können.

Auch aus der Immobilienbranche empfangen wir deutliche Signale. Durch ein steigendes Niveau der Büromieten werden die Investment Professionals noch mehr Interesse an Zukäufen im Markt haben, und auch die Mieten für Wohnimmobilien werden durch einen erhöhten Zuzug weiter steigen. Die Verunsicherung an den Kapitalmärkten sorgt ferner dafür, dass Immobilien generell als Kapitalanlage noch attraktiver werden. Insbesondere die internationalen Player im Maklerbereich dürften von diesen Entwicklungen profitieren und nochmal über die Einstellungen zusätzlicher Spezialisten im Makler- und Investmentbereich nachdenken. Für hiesige Personalberater deutet das auf willkommene Bewegung im Markt hin.

Auch die Juristen jubilieren: die Verlegung von Geschäft nach Deutschland zieht automatisch juristische Fragen nach sich, sodass viele Player einen erhöhten Beratungsbedarf erfahren werden. Regulierungsexperten, Markenspezialisten und Prozessanwälte; all diese werden wohl erst einmal von den Ereignissen in UK profitieren.

Was heißt das nun speziell für Kandidaten und die Personalbranche der Frankfurter Finanzwelt? Unserer Wahrnehmung nach wich die anfängliche Bestürzung im Markt recht schnell nüchterner Akzeptanz. Die Konzentration auf das Tagesgeschäft überwiegt, und der Brexit scheint zunächst kein Grund zur hektischen Überreaktion zu sein. Während Wechsel von Deutschland nach UK wahrscheinlich erstmal kurzfristig zurückgehen und auch britische Banken und Finanzdienstleister vorsichtiger beäugt werden, wird Frankfurt mit großer Sicherheit nicht zu den Verlierern des Brexit gehören. Die Marktteilnehmer antizipieren eine lebendige Dynamik im Personalbereich, doch solange noch keine konkreten fiskalpolitischen Entscheidungen getroffen werden, heißt es ohnehin, ganz the English way: abwarten und Tee trinken.

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