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Die Integration der digitalen Migranten

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von Marijana Miljkovic und Mario Bini

Unter dem Motto #whatsnext im Recruiting trafen sich vergangenen Donnerstag Personalverantwortliche und Recruiter auf dem 14. Monster Symposium im Hilton Frankfurt Airport.

Eröffnet wurde das Symposium von Andrea Bertone, dem Präsidenten von Monster Europe. Ohne Umschweife stieg er gleich tief in die Arbeitsmarktsituation in Deutschland ein, deren größte wirtschaftliche Herausforderung er in der demografischen Veränderung sieht. Deutschland braucht mehr Arbeitskräfte und um diese müssen sich heute die Unternehmen bewerben. Dabei spielt die rege Share-Kultur eine entscheidende Rolle. Ob aus der Sicht eines Angestellten oder nur eines Bewerbers, Kandidaten teilen ihre Erfahrungen auf öffentlichen und privaten Netzwerken und haben somit einen signifikanten Einfluss auf das Employer Branding der Unternehmen.

Diese Macht der Kandidaten griff Prof. Dr. Tim Weitzel von der Uni Bamberg in seiner Vorstellung der Studie „Recruiting Trends 2016“ auf. Kandidaten werden anspruchsvoller und erachten Weiterbildungsmöglichkeiten und Karriereentwicklung wichtiger als das Gehalt. 45% aller Kandidaten möchten lieber angesprochen werden als sich aktiv zu bewerben und lediglich 4% sind von Direktansprachen, sei es durch Personalberater oder durch Unternehmen selbst, genervt. Grundsätzlich empfiehlt Prof. Dr. Tim Weitzel Unternehmen unbedingt eine Social Media Strategie mitsamt Kodex, Verantwortlichkeit und Redaktionsplan aufzustellen, um qualifizierte und begehrte Kandidaten über die richtige Kanäle zu erreichen.

Zwei Fallbeispiele aus der Praxis bestimmten das Mittagsprogramm des Symposiums. Durch attraktive digitale Personalmarketing-Kampagnen gelang es sowohl den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken als auch dem Hamburger Versandhaus Otto ihr Image als Arbeitgeber zu modernisieren und rares Personal zu rekrutieren. So unterschiedlich beide Unternehmen sind, so einig war man sich darin, dass Employer Branding nicht nur nach außen beworben sondern auch nach innen gelebt werden muss.

Die Shell Jugendstudie 2015 leitete den letzten Block der Vorträge ein. Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance machte anhand eines plastischen Beispiels die Generationsunterschiede deutlich, die für Recruiter heute eine wesentliche Herausforderung darstellen. Hatte die Generation Babyboomer noch einen linearen Lebenslauf, der sich aus den drei Teilen Kindheit/Jugend, Arbeitswelt und Ruhestand zusammensetzt, so blickt die Gen Y auf ein unruhiges Format, das gekennzeichnet ist von unscharfen Übergängen von Kindheit zu Jugend, nicht eindeutig definierten Berufswünschen, mehrgleisigen Ausbildungswegen und ständigen beruflichen Wechseln zwischen Projekten, Selbstständigkeit und Ehrenamt. Die heutigen Personalverantwortlichen müssen sich diesem Paradigmenwechsel anpassen und ihre Personalpolitik agiler gestalten.

Spannung war nochmal im letzten Vortrag des Tages geboten, der ganz im Zeichen der Social Media Revolution stand. Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Klemens Skibicki reagiert auf die Angst einer „digitalen Gefahr“ gelassen: dialogische Kommunikation hat nun mal schon immer stattgefunden und verlagert sich heute eben auf die neuen Medien. Allseits vernetzte Kommunikation mit Rückkanal führt in der Kulturtechnik dazu, dass man von Netzwerk- statt Volkspopulationen spricht. Digital Nomads unterscheiden heute schon gar nicht mehr zwischen offline und online, da die permanente Vernetzung zu ihrem Alltag gehört. Prof. Dr. Skibicki vergleicht die Desorientierung, die viele Menschen heute in Anbetracht der omnipräsenten Digitalisierung empfinden, mit einer Migration. In diesem Paradigmenwechsel der Netzwerkökonomie seien wir doch alle digitale Migranten, die gerade lernen, sich in einem neuen Zeitalter zurechtzufinden, wo ein Digital Detox nur noch eine kurzzeitige Flucht aus dem Alltag ist, jedoch kein Dauerzustand sein kann.

Die digitale Transformation auf allen Ebenen war auch beim diesjährigen Monster Symposium der rote Faden, der sich durch die einzelnen Vorträge spann. Egal ob Personalberater oder Inhouse Recruiter: wir alle müssen nach neuen Spielregeln spielen, angefangen bei einem Paradigmenwechsel innerhalb der Generationen und Kommunikationswege über eine digitalisierte Personalpolitik und mobile Bewerbungen bis hin zum Employer Branding. Die Integration der digitalen Migranten hat in der westlichen Welt längst begonnen.

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