en

Newsroom

for the fast & the curious

Die Gehaltsrally ist vorbei

Archiv

Das Transaktionsgeschäft in den Großkanzleien lahmt.
Das hat auch Auswirkungen auf den juristischen Personalmarkt.

Wie hat sich der juristische Personalmarkt nach der Subprime-Krise verändert?

Ina Steidl: Man merkt, dass einige Großkanzleien leiden. Allerdings ist das Wachstum nach wie vor intakt – verglichen mit dem ersten Halbjahr 2007 ist es auf ein vernünftiges Level zurückgegangen. Auch das M&A Geschäft läuft vergleichsweise schlecht, dafür wird auf Seiten der Mandanten mehr geklagt, so dass die Kanzleien mehr Prozessanwälte suchen.

Kathrin von Hardenberg: Aus den Transaktionsabteilungen der Kanzleien bekommen wir deutliche Signale, dass man kritisch auf das zweite Halbjahr 2008 und auch 2009 blickt. In diesem Segment wir weniger eingestellt. Dafür werden Prozessanwälte gesucht, außerdem Fachleute im Wirtschaftsstrafrecht und für Compliance.

Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die Gehaltsentwicklung?

Ina Steidl: Dieses Jahr werden wohl einige Kanzleien einen echten Knick bei den Umsatzzahlen hinnehmen müssen. Die Entnahmen der Partner dürften zurückgehen. Und auch bei den Associate-Gehältern wird es keine großen Steigerungen geben.

Kathrin von Hardenberg: Wegen des hohen Gehaltsniveaus der vergangenen Jahre wird es spannend sein, wie die Entwicklung verläuft. Ich denke nicht, dass wir 2009 eine erneute Gehaltsrally bei den Einstiegsgehältern erleben werden. Klar ist auch: Potenzielle Arbeitgeber werden wählerischer, sie erwarten von den Berufseinsteigern sehr viel im Gegenzug für ein Einstiegsgehalt von 100.000 Euro.

Wie beurteilen Sie die Lage für die 2007 eingestellten Associates?

Ina Steidl: Soweit sie in den Transaktionsabteilungen eingesetzt werden, haben sie derzeit wenig Arbeit. Die Großkanzleien werden sie nicht vor die Tür setzen, aber wer sich bislang nicht bewähren konnte, muss mit Andeutungen rechnen, dass das so nicht ewig weitergeht. Ich kenne einige junge Anwälte in Frankfurt, die sich Sorgen machen.

Kathrin von Hardenberg: In den USA und England wurde bereits Personal entlassen. Hierzulande ist bisher auf Kündigungen verzichtet worden. Das könnte sich aber noch ändern, und dann werden auch die Neuzugänge betroffen sein. Dass das schlau ist, wage ich zu bezweifeln. Wir haben in der Boom-Phase erlebt, dass gerade die Associates im mittleren Erfahrungsbereich – also mit zwei bis vier Jahren Erfahrung – den Teams später schmerzlich fehlen. Aber bei vielen internationalen Sozietäten mit Niederlassungen in Deutschland kommt der Kostendruck aus den zentralen in London oder New York.

Gibt es für die jungen Leute mit ein, zwei Jahren Berufserfahrung eine Chance für einen Wechsel?

Ina Steidl: Ja, diese Associates finden mit Sicherheit eine Anschlussbeschäftigung. Wichtig ist: Sie sollten bei einem Wechsel offen kommunizieren, dass es für sie beim derzeitigen Arbeitgeber zu wenig Arbeit gibt.

Kathrin von Hardenberg: Verglichen mit der Rezession 2003 ist die Luft dünner geworden. Es kommen nicht mehr so viele US-Kanzleien nach Deutschland, die hohen Personalbedarf haben. Auch in den Unternehmen wurden zwischenzeitlich viele Inhouse-Juristen eingestellt. Und die Personalfluktuation ist dort – verglichen mit den Wirtschaftskanzleien – wesentlich geringer.

 

Interview: Marcus Creutz

Vorheriger ArtikelInterview mit Tim Zühlke Nächster Artikel2009 – Finanzkrise und Fusionen treffen Banker mit voller Wucht