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„Es droht der Verlust wichtiger Mitarbeiter“

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Tim Zühlke ist Partner und Geschäftsführer der Personalberatung Indigo Headhunters, die er im Jahr 2007 gegründet hat. Seit 14 Jahren sucht er für Banken Manager im Kapitalmarktgeschäft.

Herr Zühlke, kann eine Bank rechtfertigen, dass sie mehr Boni ausschüttet, als sie verdient?

Ja, ich denke schon. Ich halte das für vertretbar, wenn es kaufmännisch richtig ist. Schüttet eine Bank keine oder geringe Boni aus, kann es sein, dass sie wichtige Mitarbeiter verliert. Das kann auch unangenehme wirtschaftliche Folgen haben.

Aber der Öffentlichkeit kann ein Geldhaus das schlecht verkaufen.

Ich glaube, die Banken sind klug genug, um auf Dauer das richtige Maß zu finden. Sie können eine Vergütung zahlen, mit der sie Talente halten, und zugleich auf ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit achten. Ich sehe eher das Problem, dass viele Banken jetzt höhere Fixgehälter zahlen, was sie aber in Phasen mit geringen Erträgen weniger flexibel macht. In der Konsequenz führt das zu mehr Personalabbau.

Wie werden sich die Boni in den kommenden Jahren entwickeln?

Grundsätzlich sind die Boni bereits auf einem deutlich niedrigeren Niveau als vor der Finanzkrise. Ich gehe aber davon aus, dass die Gesamtvergütung für Bankmitarbeiter in den kommenden Jahren weiter sinkt. Das liegt an den neuen Regeln für Boni und daran, dass auf die Häuser mehr Regulierung zukommt. In der Folge fahren die Banken viele riskante Geschäfte, wie zum Beispiel den Eigenhandel, zurück – und damit auch die Bereiche, in denen die Mitarbeiter besonders viel verdient haben.

Die Aktionäre von Banken werden sich hohe Boni künftig wohl nicht mehr gefallen lassen.In Deutschland etwa dürfen Banker ihr Grundgehalt über Boni nur mit Zustimmung der Hauptversammlung verdreifachen.Welche Auswirkung wird es haben, wenn die Anleger hier mehr mitreden?

Man kann davon ausgehen, dass die Boni dann mehr schwanken. Aktionäre werden höheren Boni nur zustimmen, wenn sie mit Erträgen und Entwicklung der Bank einverstanden sind – oder eben nicht, wenn sie unzufrieden sind.

 

Die Fragen stellte Elisabeth Atzler

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