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Die WestLB in der Klemme: Sie soll verkauft werden und muss daher attraktiv bleiben. Jetzt stellt sie wieder Händler ein – zum Ärger der Konkurrenz

Bankenkrise war gestern, die Beinahepleiten sind vergessen: Liest man die Stellenangebote auf der Website der WestLB, scheint alles wieder in Butter. 30 neue Mitarbeiter mit Berufserfahrung sucht die Landesbank mit Sitz in Düsseldorf: Analysten, Händler, Projektmanager. Vor allem im Kapitalmarkt bieten sich Karrierechancen. „Neben marktgerechten Basisbezügen, umfangreichen Sozialleistungen“ lockt die Landesbank mit „einer erfolgs- und leistungsorientierten Vergütung“. Sich selbst zählt das Haus zu den führenden Finanzdienstleistern Deutschlands.

Wenn die Vergütung tatsächlich marktgerecht und leistungsorientiert ausfallen soll, braucht die Bank tiefe Taschen. Denn längst tobt in der Bankenbranche wieder der Kampf um Köpfe. Und die WestLB ist mittendrin. Dabei liegt es nur wenige Monate zurück, dass die Bank erneut vor der Pleite gerettet werden musste. Inzwischen hat der Bund dem Haus mit 3 Mrd. Euro geholfen, haben die Eigentümer ihre Rettungsschirme erweitert. Teile des Geschäfts werden zudem in eine Abwicklungsbank geschoben. Was übrig bleibt, muss unter strengem Blick Brüssels verkauft werden. Die oberste Ansage von EU-Kommission und Eigentümern: Schrumpfen!

Kein Wunder, dass die forsche Einstellungspolitik auch die Konkurrenz verärgert. Im Handel eines anderen Hauses heißt es: „Für den Fall, dass die WestLB fusioniert, will sie das aus einer Position der Stärke tun, und mit Geld kann man ja alles kaufen.“ Der Kapitalmarktchef einer weiteren Bank sagt: „Es ist schon wieder ein Kampf um gute Leute und hohes Gehalt entbrannt.“ Die WestLB richte mit ihrem Vorgehen einen großen Flurschaden an.

Längst schießen wieder Gerüchte über die Abwerbesummen ins Kraut – zumal die Krisenbank schon immer üppiger bezahlt hat als andere Landesbanken. Ausgebildeten Analysten, kolportieren Wettbewerber, winke das übliche sechsstellige Grundgehalt plus zwei Jahre Bonus garantiert – als Risikoprämie, weil ja keiner weiß, was aus der Bank einmal wird.

Die WestLB dementiert die Gerüchte und verweist auf die neuen Vergütungsregeln der Finanzaufsicht BaFin und des Bundesrettungsfonds Soffin: So habe das Haus die Selbstverpflichtungserklärung der BaFin unterzeichnet und halte sich an die Anforderungen. „Diese schließen explizit Garantien für mehr als ein Jahr aus“, so ein Sprecher.

Dass die Bank wieder einstellt, dafür hat indes mancher Wettbewerber auch Verständnis. Die WestLB habe die „Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt einer. Wolle die Bank ihre Ertragskraft halten, habe sie keine andere Wahl, als Leute zurückzuholen, sonst bleibe sie auf den Kosten für Infrastruktur sitzen.

Auch Personalberater halten das Vorgehen für nachvollziehbar. Schließlich wirft der Verkauf der Bank seine Schatten voraus. „Die können nicht einfach profitable einzelne Geschäftsbereiche absterben lassen, dann würde womöglich der Wert der Bank sinken“, sagt Tim Zühlke von Indigo Headhunters. Das Institut müsse sich dabei auf der einen Seite an die neuen Vergütungsregeln halten, auf der anderen Seite aber Spezialisten genügend Anreiz bieten. „Das ist natürlich ein ganz schmaler Grat“, so Zühlke.

Allein ist die WestLB nicht mit dem Problem. Während BayernLB und die Landesbank Baden-Württemberg fast keine Stellen ausgeschrieben haben, sucht ein weiteres finanziell schwachbrüstiges Landesinstitut derzeit ebenfalls zahlreiche Banker. Es ist die HSH Nordbank.

 

Von Meike Schreiber

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